Bericht in der PNP über Leonhard

Ruhmannsfelden. Wenn der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson den kleinen Leonhard, seine Eltern, die Bevölkerung der Verwaltungsgemeinschaft und alle Unterstützer gekannt hätte, wäre dieses Zitat sicher für sie bestimmt gewesen: „Selbstaufopferung ist das wirkliche Wunder, aus dem alle anderen Wunder entspringen.“ Denn Leonhard aus Ruhmannsfelden leidet, oder besser litt an T-linien akute lymphastische Leukämie, kurz T-ALL. Das ist eine besonders bösartige Art der Leukämie. Doch vor wenigen Wochen erhielt er im Münchner Dr. von Haunerschen Kinderspital eine Knochenmarkspende erhielt.
„Und die passte zu 100 Prozent“, erklärt sein Vater Gerhard Bayerer, der in der schwierigen Zeit monatelang zwischen Regensburg, wo Leonhard seine Voruntersuchungen hinter sich brachte, dem Heimatort Ruhmannsfelden und der Klinik in München pendelte. Die Spenderin selbst stammt aus England. „Allerdings können wir erst in zwei Jahren mit ihr Kontakt aufnehmen“, so Mutter Sabine Bayerer.

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Hilfe in mehreren Schritten

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Es war eine beispiellose Typisierungsaktion, die im Dezember im Ruhmannsfeldener Pfarrheim für Leonhard organisiert wurde. Mit 1600 Teilnehmern in Ruhmannsfelden und etlichen Geldspenden an die Kinderkrebshilfe war die Familie zuversichtlich, dass Leonhard den Weg der Besserung gehen würde. Das war der erste Schritt.
Im Januar dann ging es weiter. Zusammen mit seiner Mutter übersiedelte der Fünfjährige nach München. Seine Eltern konnten dank der allgemeinen großen Hilfsbereitschaft ein Zimmer im Elternhaus nahe der Klinik beziehen, um für ihren Sohn 24 Stunden da sein zu können. Anfang Februar folgte dann Schritt drei: Leonhard musste, um das Immunsystem komplett abzuschalten und gefährlichen Keimen keine Chance zu lassen, in ein steriles Zimmer ziehen. „Spielzeug durfte er zwar mitnehmen, aber wenn es auf den Boden fiel, musste es wieder aufwändig desinfiziert werden.“ Auch die Eltern mussten durch die Desinfizierung, wenn sie Leonhard besuchen wollten. Zusätzlich verfügte die Einheit über ein Laminar-Airflow-System, um die zirkulierende Luft möglichst keimfrei zu halten. Die Angestellten und Ärzte nennen die Gerätschaft deshalb auch „Zelt“.

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10. Februar:
„Der Tag 0“

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Am 10. Februar, dem „Tag 0“ nach etlichen Bestrahlungen und Chemotherapie, folgte schließlich die Transplantation, die wesentlich unspektakulärer ist, als man vielleicht denkt. „Eigentlich bekommt der Patient nur einen Blutbeutel mit den Stammzellen“, erzählt Gerhard Bayerer.
Dann folgte Bangen und Hoffen. Nach 16 Tagen produzierte Leonhards Körper wieder die ersten messbaren Leukozyten, der Körper stieß das Spendermaterial nicht ab, keine allergischen Reaktionen. Ein erster wichtiger Punkt.
„Das kann sich aber jeden Tag ändern“, erinnern sich die Eltern an eine bange Zeit des Wartens. Zudem kam es zu einer Auflösung der Schleimhäute im Mund und an den Lippen aufgrund der Strahlenbelastung. Leonhard konnte nur noch künstlich ernährt werden. 55 Tage, bis weit in den April hinein, dauerte es schließlich, bis sich die Türen seines Zimmers wieder öffneten und beispielsweise auch seine Schwester Claudia zu Besuch kommen konnte.
„Natürlich gab es zwischendurch immer wieder Down-Phasen, wo er nur mehr schlief“, so Mutter Sabine, „aber dann mussten wir ihn eben wieder aufbauen“. Zum Beispiel hat ihm sein Opa ein Baumhaus gebaut. „Das Foto haben wir ihm dann mitgebracht, und schon war er wieder oben auf“, erzählt die Mutter. Auch in der Vorbereitungszeit wurde er nicht allein gelassen. So hatte die Freiwillige Feuerwehr Ruhmannsfelden den kleinen Feuerwehrmann zu einem Besuch der Berufsfeuerwehr München eingeladen.
Dem Hobby Feuerwehr kann er nach seiner Entlassung kurz vor Ostern jetzt wieder voll nachgehen, vorige Woche besuchte er zum Beispiel den Einsatztag, an dem die Wehren aus der Marktgemeinde und der Umgebung gemeinsam übten (wir berichteten). Auch Baden kann Leonhard wieder, wie er erzählt. Der Hickman-Katheter, durch den die Chemo verabreicht wurde, ist entfernt, auch Haare hat er wieder.
Im September wird Leonhard wieder Kindergartenkind. „Leider müssen wir ihn sofort heim holen, wenn ein anderes Kind in der Gruppe erkrankt ist“, verdeutlicht sein Vater, „denn jetzt sind alle bisherigen Impfungen wirkungslos. Eine Kinderkrankheit könnte lebensgefährlich sein.“ Aber einsperren bringe auch nichts. Er muss sich langsam wieder ans „normale“ Leben gewöhnen. Leonhard hat damit keine Probleme, er tollt herum und hat nun sogar Fahrradfahren gelernt.
Trotzdem ist die Heilung noch nicht abgeschlossen. Alle zwei Wochen stehen Untersuchungen an. Erst nach fünf Jahren geht man davon aus, dass es keinen Rückfall mehr gibt. Was der Jungfeuerwehrmann nicht mag, sind Fragen nach seinem Befinden. Zu frisch sind die Erinnerungen. Ganz locker geht er dafür mit seinem Klinikaufenthalt um. Immer wieder besucht er „sein“ Zelt und „seine“ Krankenschwestern.
Die Bayerers selbst sind vor allem dankbar für die große Unterstützung durch alle, die mitgeholfen haben. „Das hat uns allen Kraft gegeben.“ Übrigens wurden schon zwei Spender der Ruhmannsfeldener Typisierungsaktion zu einer weiteren Untersuchung eingeladen, um anderen Kindern zu helfen.
Nun heißt es, die nächsten Schritte zu tun auf einem steinigen Weg, der noch lange nicht zu Ende ist. Aber der Weg erscheint nun wesentlich heller und fröhlicher als noch vor wenigen Monaten.