|
Bericht
13
|
Großbrand verwüstet das Brauereigelände (Text:
PNP vom 26.03-2003)
Feuer am Montagabend kurz vor 23 Uhr entdeckt - Schaden mindestens
eine Million Euro - Brandursache unklar
Viechtach (hl). Bei einem Großbrand auf dem Betriebsgelände der
Viechtacher Gesellschaftsbrauerei an der Bahnhofstraße ist am späten
Montagabend ein Millionenschaden entstanden. Dem Feuer fielen unter anderem
die Fahrzeughalle, der Getränkeabholmarkt, mehrere Fahrzeuge und rund 1000
Bierzeltgarnituren zum Opfer. Die Feuerwehren konnten durch ihren vorbildlichen
Einsatz eine größere Katastrophe verhindern, die Mieter des unmittelbar
angrenzenden Wohnhauses wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Betroffen
von dem Schadensfeuer war das gesamte Areal der ehemaligen Baufirma Treimer,
das sich zwischen Brauerei und Bahndamm erstreckt und das seit über zehn
Jahren an mehrere Nutzer verpachtet ist. Neben den Einrichtungen der Gesellschaftsbrauerei
kamen auch die Unterstandshalle des Motorradsportclubs, zahlreiche Privatgaragen
und ein Rohrlager der Firma REHAU zu Schaden.
Es war am Montag kurz vor 23 Uhr, als die Viechtacher durch die Feuersirenen
aus ihrer nächtlichen Ruhe geschreckt wurden. Eine junge Frau, die im Treimer-Haus
(ehemaliges Arbeitsamt) ihre Wohnung hat und von der Arbeit nach Hause kam,
entdeckte das Feuer, dessen Entstehungsherd offensichtlich die Fahrzeughalle
der Brauerei war. Lastwagen und Kühltransporter stehen derzeit aber im
Freien, weil in der Halle die Bierzeltgarnituren für die neue Saison hergerichtet
werden. "Letzte Woche hatten wir begonnen, Tische und Bänke abzuschleifen
und neu zu lackieren - alle 1000 Garnituren sind verbrannt", schilderte
gestern Vormittag der technische Betriebsleiter Manfred Augustin.
Er war es auch, der von der Brandentdeckerin nach Polizei und Feuerwehr als
erster alarmiert wurde. "Ich war sofort da und hab' auch das Tor aufgesperrt,
damit die Feuerwehren überhaupt rein konnten", erzählt er. Doch
schon zu diesem Zeitpunkt stand die 25 Meter lange Halle voll unter Feuer, es
gab nichts zu retten. Ein Raub der Flammen wurden darin auch die Dach- und Seitenplanen
des großes Bierzeltes sowie der Bierpavillon, der vor einigen Jahren für
80 000 Mark angeschafft worden war.
Über meterhoch gestapelte Getränkekisten und das dahinter liegende
Rohrlager der Firma REHAU fanden die Flammen genügend Nahrung, um auf den
im rechten Winkel angrenzenden Getränkeabhol-markt überzugreifen.
Und dann begann eine ganze Serie von Explosionen: Nahezu im Minutentakt wurden
Kühlschränke und Propangasflaschen zerrissen und ließen in den
Flammen eine neue dunkle Rauchwolke aufsteigen. "Das ist ja wie im Krieg
in Bagdad", hörte man immer wieder aus den Reihen der vielen Zuschauer,
die vom Radweg aus und auf der Bahnhofstraße das Inferno verfolgten. Höchste
Alarmstufe herrschte dann für die Feuerwehren, als Gefahr bestand, dass
das Feuer auf einen Tank mit 6 000 Liter Flüssiggas übergreift (siehe
eigener Bericht). Mit massivem Wassereinsatz konnte das Schlimmste verhindert
werden. Aber erst nach etwa zwei Stunden war die Einsatzleitung um Kommandant
Walter Weihmann sicher, dass man den Brand unter Kontrolle hatte.
Bei Tageslicht offenbarte sich gestern Vormittag dann das ganze Ausmaß
des Großbrandes: die eingestürzte Fahrzeughalle, der durchlöcherte
Abholmarkt, die ausgebrannte Unterkunft des Motorradsportclubs, zersprungene
Fenster der Lkw und Kühlwägen, ausgebrannte Autos in den Garagen unter
dem Wohnhaus, Eisenreste von Tischen und Bierbänken, von der Hitze zerfressene
Bier- und Getränkekisten, verschmorte Plastikrohre, und überall Scherben.
"Ich glaube, wir haben keinen einzigen Maßkrug mehr", meinte
der Sprecher der Gesellschafter, Gastwirt Michael Bielmeier (Prackenbach), mit
einem Anflug von Sarkasmus, als er gestern Vormittag die Brandstelle besichtigte.
Fassungslos standen er und die Mitarbeiter der Brauerei im wahrsten Sinn des
Wortes vor einem Scherbenhaufen. An die 3000 Maßkrüge sind ebenso
vernichtet wie ein Teil der gut 10 000 Flaschen mit Bier und Getränken,
die im Abholmarkt standen.
Noch in der Nacht waren Beamte der Kriminalpolizei Deggendorf an die Brandstelle
gerufen worden, gestern Vormittag nahmen dann die Brandfahnder die Ermittlungen
auf. "Ein riesiger Brandort! Wir müssen uns erst einen Überblick
verschaffen, bevor wir ins Detail gehen können", meinte Sachbearbeiter
Saller gegenüber dem Viechtacher Bayerwald-Boten. Gleichzeitig kündigte
er an, dass man noch Gutachter des Landeskriminalamtes beiziehen werde. Frühestens
in ein oder zwei Tagen werde man sagen können, was als Brandursache in
Frage komme.
Überholt scheint inzwischen die erste Schätzung der Polizei, dass
der Gesamtschaden zwischen 300 000 und 500 000 Euro liegt. Diese Summe dürfte
allein schon den Schaden der Gesellschaftsbrauerei ausmachen. Hinzu kommen noch
die beträchtlichen Schäden an den Garagen und Fahrzeugen der weiteren
Mieter sowie die Verluste für den Motorradsportclub und die Firma REHAU.
![]() |
![]() |
Bilder: Kreisfeuerwehrverband Regen
Kommandant Weihmann: Ein extremer Brand (Text:
PNP vom 26.03-2003)
Fast 200 Feuerwehrleute im Einsatz - Alte Frau aus der Wohnung gerettet - Größte Gefahr durch Gastank
Viechtach (hl). "Es war ein extremer Ernstfall, aber wir haben das Menschenmögliche
getan!" Der Viechtacher Feuerwehrkommandant Walter Weihmann steht noch
deutlich unter dem Eindruck des Großeinsatzes wenige Stunden zuvor, als
wir ihn gestern Vormittag zum nächtlichen Geschehen auf dem Brauereigelände
befragen. Gleich an den Anfang stellt Walter Weihmann, der als Ortskommandant
die Einsatzleitung inne hatte, die Anerkennung an alle Feuerwehrleute. "Wenn
man bedenkt, dass wir das Wohnhaus retten konnten und bei der Sicherung des
Flüssiggastanks höchste Gefahr bestand, darf man wohl von hervorragender
Arbeit sprechen", meinte der Kommandant.
Weihmann ist sich dessen bewusst, dass der Brand "ganz schlimm" ausgehen
hätte können. Und er denkt dabei zuerst an die alte, gehörgeschädigte
Frau, die aus dem oberen Stockwerk des Treimer-Wohnhauses gerettet wurde. Sofort
nach Eintreffen der Viechtacher Wehr am Brandort stürmten Atemschutzträger
in ihre Wohnung und brachten die Frau in Sicherheit. Die übrigen drei Mietsparteien
hatten das Haus schon verlassen, von einer jungen Frau aus diesem Haus war das
Feuer auch entdeckt worden.
Trotz der unmittelbar daneben lichterloh brennenden Fahrzeughalle blieb das
Haus weitgehend unversehrt, so dass die Leute noch in der Nacht in ihre Wohnungen
zurückkehren konnten. Dies sei "dem massiven Wassereinsatz" zu
verdanken gewesen, erläutert Kommandant Weihmann. So seien vom Schwarzen
Regen her insgesamt sechs B-Leitungen aufgebaut worden, wobei der Schlauchwagen
der FFW Ruhmannsfelden eine große Hilfe bedeutete.
Insgesamt waren fast 200 Löschkräfte von 13 Feuerwehren (Viechtach,
Schlatzendorf, Blossersberg, Pirka, Wiesing, Kollnburg, Prackenbach, Tresdorf,
Ruhmannsfelden, Linden, Bodenmais, Kötzting und Regen) im Einsatz; hinzu
kamen die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung und das Rote
Kreuz. Vor Ort waren auch Kreisbrandrat Hermann Keilhofer, KBI Peter Altmann
und Kreisbrandmeister Adolf Bielmeier.
Sehr schnell war der Einsatzleitung aber auch klar geworden, dass man mehr als
nur die eigene Drehleiter braucht, um den Brand von oben zu bekämpfen und
vor allem die dahinterliegenden Gebäude mit über 20 Garagen (viele
Viechtacher überwintern dort zum Beispiel ihre Wohnwägen) und das
Rohrlager der Firma REHAU zu sichern. Deshalb wurden die Drehleitern der Feuerwehren
Bodenmais und Kötzting angefordert, deren Mannschaften sich mit anderen
Feuerwehrleuten hervorragend ergänzten.
Dramatisch wurde es, als der oberirdische Flüssiggastank mit 6000 Liter
Inhalt in Gefahr geriet. Über das Überdruckventil konnte zwar genügend
Gas entweichen, dennoch bestand "riesige Explosionsgefahr und damit auch
höchste Bedrohung für unsere Leute", berichtet Weihmann. Durch
massiven Wassereinsatz habe der Tank aber ausreichend gekühlt werden können.
Gegen 2 Uhr früh wurde dann eine Spezialfirma aus Passau angefordert, die
in den frühen Morgenstunden den Gastank entleerte.
![]() |
![]() |
Bilder: Kreisfeuerwehrverband Regen