Bericht 16

Behinderter reißt aus und fährt bis Kassel

80 Einsatzkräfte suchen nach dem 17-jährigen Feriengast – Per Anhalter zum Bahnhof

Grafenried (vm). Eine große Suchaktion hat am Samstag das Verschwinden eines geistig Behinderten (17) in Grafenried (Gemeindebereich Drachselsried) ausgelöst. 80 Einsatzkräfte suchten nach dem jungen Feriengast. Doch der hatte den Landkreis schon längst verlassen.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Jugendliche, der mit seiner Pflegemutter (61) in einem Ferienhaus in Grafenried auf Urlaub war, schon einmal in einem Waldstück Richtung Frath verirrt. Damals war der Bursche, der nach den Angaben seiner Pflegemutter das Verhalten eines sechsjährigen Kindes hat, zwei Tage orientierungslos im Wald herumgelaufen.

Vor diesem Hintergrund wurde auch bei seinem jüngsten Verschwinden am Wochenende das Waldgebiet um Grafenried Richtung Frath gründlich abgesucht: Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Bereich Grafenried und Drachselsried, die mobilen Suchtrupps der Feuerwehren Drachselsried, Oberried und Asbach baten zusätzlich noch per Lautsprecherdurchsage die Bevölkerung um Hinweise, die Örtliche Einsatzleitung Regen, und die Rettungshundestaffeln Bayerwald und Zwiesel halfen beim Suchen, der Rundfunk sendete eine Vermisstenmeldung, Doch es war vergebens: Gegen 19. 10 Uhr wurde die Suche nach dem Behinderten zunächst ohne Ergebnis eingestellt.

Mit Kopfkissen und Bettdecke unterwegs

Das Verschwinden des Jugendlichen hatte die Pflegemutter am Samstagmorgen bemerkt, als sie mit ihm zurück nach Berlin fahren wollte. Er sei am Freitagabend gegen 22.30 Uhr ins Bett gegangen, erklärte die Frau der Polizei. Am Samstagmorgen war er weg. Bereits seit Tagen habe er nichts mehr essen und auch seine Medikamente nicht nehmen wollen, sagte die Frau, eventuell trage er ein helles Kopfkissen und eine Bettdecke bei sich.

"Wegen der fehlenden Medikamente und der weiterhin kühlen Nächte musste für den möglicherweise orientierungslosen und geistig behinderten Burschen eine erhebliche Gefahr angenommen werden", teilte die Polizei mit.

Im Laufe des Einsatzes wurde bekannt, dass der jjunge Mann in der Nacht eventuell in Arnbruck gesehen wurde und per Anhalter unterwegs sein könnte. Deshalb wurde die Suche per Hubschrauber und Streifenwagen auf den Bereich Arnbruck erweitert.

Erst nach Einsatzende, kurz vor 20 Uhr, informierte, der Bundesgrenzschutz aus Hessen die Polizeiinspektion Viechtach: Der behinderte Jugendliche war am Hauptbahnhof in Kassel aufgegriffen worden.

Dort war er aufgefallen, weil er immer noch sein Bettzeug bei sich hatte und er einen verwirrten Eindruck machte.

Wie die Polizei vermutet, ist der junge Mann per Anhalter bis zum nächsten Bahnhof nach Kötzting, Cham oder Regensburg gefahren und von dort aus nach Kassel.

Ist niemandem etwas aufgefallen?

Unerklärlich für die Polizei bleibt, wie ein nach den Angaben der Pflegemutter mittelloser, geistig behinderter und ortsunkundiger Jugendlicher bis nach Kassel gelangen konnte, ohne dass er durch die mitgeführte Bettdecke beziehungsweise wegen seiner geistigen Behinderung aufgefallen wäre.

Der junge Mann musste nicht in den Bayerischen Wald zurückkehren, er bleibt bei Bekannten in Kassel, bis ihn seine Pflegemutter abholt. Die Polizei hat die Ermittlungen eingestellt.

Quellen: Text PNP