Einsatz 15

 

In der Zeit vom 09.02. bis 15.02.2006 arbeitete die Freiwillige Feuerwehr Ruhmannsfelden insgesamt 113 Einsätze ab.


Die Einsätze gliederten sich in Kontrollen der gefährdetetn Objekte und auch der Befreiung der Dächer von der Schneelast. Im Schnitt waren in diesen Tagen immer mindestens 20 Feuerwehrkameraden im Einsatz. Über die Einsatzzentrale Ruhmannsefelden wurden die Einsätze im KBM-Bereich Märcz koodiniert. Um die Versorgung der Einsatzkräfte kümmerten sich, in bewährter weise, in diesen stressigen Tagen einige Frauen der Kameraden.

 

Hier noch ein paar Berichte aus der PNP

240 Kilo Schnee pro Quadratmeter auf dem Dach:
Zwei Schulzentren von erdrückender Last befreit


Alarm gestern Mittag in Ruhmannsfelden: Sieben Feuerwehren im Einsatz - Räumaktion auch in Teisnach


Viechtach/Ruhmannsfelden/Teisnach. (hl/sun). Schneekatastrophe auch im Altlandkreis Viechtach: Gestern Mittag musste das Schulzentrum in Ruh-mannsfelden von der erdrückenden Schneelast befreit werden, am Nachmittag begann ein ähnlicher Einsatz im Schulzentrum Teisnach.
Genau um 11.23 Uhr kam am gestrigen Mittwoch der erste Alarm aus Ruhmannsfelden: Die Schneemassen auf der Hauptschule, der Grundschule und der Mehrzweckhalle liegen weit über den Grenzwerten und müssen schnellstens abgeräumt werden. Festgestellt hatte dies der Ruh-mannsfeldender Kreisbrandmeister Thomas Märcz, der in den letzten Tagen von einem Statiker im Testen von Schneelasten unterwiesen worden war.
Der zugelassene Wert an Druck auf das Dach des Schulzentrums in Ruhmannsfelden liegt bei 150 Kilo pro Quadratmeter, gemessen wurden gestern Vormittag aber 240 Kilo pro Quadratmeter.
"Das besondere Problem daran ist, dass durch den angekündigten Regen noch zusätzliches Gewicht hinzu kommen wird", erklärte Kommandant Rudolf Edenhofer von der Freiwilligen Feuerwehr Ruhmannsfelden, der sofort nach der Meldung des Kollegen Thomas Märcz neben seinen eigenen Leuten die Feuerwehren aus Lämmersdorf, Triefenried, Zachenberg, Gotteszell, Achslach und Paterdorf als Hilfe anforderte. Gemeinsam machten sie sich unverzüglich an die Arbeit. Denn die Gefahr war groß, wie Löschmeister Andreas Müller auf Nachfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten erläuterte: Der Schnee auf den Dächern kann weiter Wasser aufnehmen und dadurch noch bis zu 30 Prozent des festgestellten Wertes an Gewicht zunehmen.
Bei anhaltendem Schneefall zeigten die rund 55 Einsatzkräfte dann, wie viele endlose Quadratmeter an Flachdach mit vereinten Kräften zu schaffen sind. "Trotzdem werden wir hier noch bis zum späten Nachmittag arbeiten müssen", so der Kommandant, dessen Funkgerät während des Gesprächs wegen weiterer Schneemeldungen nicht still stand: "Technische Hilfeleistung, bitte Schneeschaufeln mitbringen."
Ähnliche Situation auch in Teisnach. Dort veranlasste Bürgermeisterin Rita Röhrl am frühen Nachmittag, dass Schulgebäude und Mehrzweckhalle nicht mehr betreten werden dürfen. Um 15 Uhr begannen dann rund 30 Feuerwehrleute, den Schnee vom Dach der Turnhalle zu räumen.
Nach dem Dauerschneefall am Dienstag hatte sich die Lage am späten Abend dramatisch zugespitzt, zumal sich die Niederschläge auch mit Regen vermischten. Während es der Straßenmeisterei und den Gemeinden mit Dauereinsatz ihrer Räumfahrzeuge gelungen war, den Straßenverkehr aufrecht zu erhalten, drohte jetzt Gefahr durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste.
Immer wieder im Laufe der Nacht musste die Polizei die örtlichen Feuerwehren alarmieren, um Straßenhindernisse beseitigen zu lassen. Wie der Pressesprecher der Kreisbrandinspektion, Kreisbrandmeister Johann Achatz, am Mittwoch mitteilte, waren im Laufe der Nacht die Feuerwehren Schlatzendorf, Wiesing, Schönau, Linden und Teisnach im Einsatz gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren noch keine größeren Schäden entstanden, die Gefahr von Schneebruch in den Waldgebieten stieg aber von Stunde zu Stunde.

 

„Wir haben viel dazu gelernt, auch menschlich“


Ruhmannsfeldener Einsatzleiter ziehen Bilanz: 200 Dächer geräumt, kaum Schlaf, keine Unfälle

Ruhmannsfelden (sun). Langsam kehrt wieder die Farbe in ihre Gesichter zurück: Kreisbrandmeister Thomas Märcz und der Ruhmannsfeldener Feuerwehrkommandant Rudi Edenhofer sind nach dem Stress und der totalen Anspannung der letzten Schnee-Tage froh, dass alles glimpflich und ohne Unfälle abgelaufen ist. 450 Häuser wurden besichtigt, 200 Dächer mussten geräumt werden - Einsatz quasi rund um die Uhr. Märcz sagt: „Wir haben viel dazu gelernt, auch menschlich“.
„Es kam schon vor, dass ich um vier Uhr früh angerufen und wüst beschimpft wurde, ob wir denn nicht in der Lage seien, das Dach des Anrufers abzuschaufeln“, erzählt Edenhofer. Weil man bei der Hauptschule die Straße absperren musste, seien zudem einige wenige Eltern ungehalten gewesen, weil sie ihre Kinder nicht mit dem Auto direkt bis vor die Schultür bringen konnten. Selbst im Bayerischen Fernsehen, genauer bei der satirischen Sendung „quer“, landeten die Helfer, als sie ein Dach im Gemeindebereich notfallmäßig abschaufelten und der Besitzer darauf bestand, dass der vom Dach geholte Schnee auch von seinem Grundstück zu verschwinden habe. „Das zieht einen dann schon sehr runter“, sagt Märcz, der alle Einsätze in der Verwaltungsgemeinschaft während des Katastrophenalarms leitete.
„Die seelische Belastung ist bei allen enorm gewesen“, resümiert Märcz. 16 Stunden ununterbrochener Einsatz: Aufstehen, schaufeln, planen und dann noch bis tief in die Nacht Lagebesprechungen. „Im gesamten Bereich der Verwaltungsgemeinschaft haben wir insgesamt 450 Objekte besichtigt und 200 vom Schnee befreit“, erzählt Edenhofer. Märcz legte während der Einsatzphase ganze 1200 Kilometer mit dem Auto zurück, 16 Stunden an Telefonaten zeigte sein Handydisplay an.
„Wir haben viel dazugelernt, auch menschlich“, sagt der Kreisbrandmeister. Drei beziehungsweise fünf Kilo haben Märcz und Edenhofer verloren - kaum Essen, nur Kaffee. Die Tochter des Kommandanten, Christina, ist auf jeden Fall stolz, dass ihr Vater als Helfer im Fernsehen war. Ein kleiner Trost, denn die Familien mussten oft genug ohne ihre Väter auskommen. „Neulich nachts als ich heimkam, lag beispielsweise mein Sohn in meinem Bett weil es in sein Zimmer hineintropfte“, sagt Märcz, „da kann man dann nur noch improvisieren.“ Viele Feuerwehrleute hätten ohnehin erst anderen geholfen, bevor sie auf die eigenen Dächer stiegen. „Schön ist es dann allerdings zu sehen, wenn man den Betroffenen die Angst etwas nehmen und mit Rat und Tat zur Seite stehen kann“, erklärt Edenhofer, „denn Jung wie Alt fühlten sich gleichermaßen hifllos“.
Hilfe bekamen die Ruhmannsfeldener von unzähligen Feuerwehren aus dem Altlandkreis, auch Bergwacht, BRK und THW waren im Einsatz. Die Zimmerer Frank Hofmann und Johann Schweiger standen ständig als Berater zur Seite, wenn es um die Besichtigung der unzähligen Dachstühle ging. Koordiniert wurde alles von der lokalen Einsatzzentrale in Ruhmannsfelden aus. Ehrenkommandant Max Jungbeck und Anita Süß saßen quasi rund um die Uhr am „Krisentelefon“. Selbst Bürgermeister Josef Brunner half am Hörer aus. „Aber auch alle anderen Bürgermeister zeichneten sich durch schnelle und unbürokratische Entscheidungen aus“, lobt Märcz. „Irgendwann war aber dann jeder am Ende“, erzählt Edenhofer, „dann waren kleine Ruhepausen besonders wichtig - auch wenn es oft nur eine Stunde bis zum nächsten Alarm dauerte.“

Einsatz in der Grundschule Ruhmannsfelden. links: Messung der Schneemenge. recht: abschaufeln der Mehrzweckhalle
Eingestürzter Stadl
Einsturzgefährdetes Gebäude
Feldküche (Gulasch-kanone) im Pausenhof der Grundschule
Schlaflager in der Mehrzweckhalle für Helfer aus anderen Landkreisen
Einsatzzentrale im Gerätehaus Ruhmannsfelden
Stärkung vor dem nächsten Einsatz