Einsatz 030

Inferno im Leimholz-Werk: Sägewerk gerettet


Über 500 Feuerwehrleute bekämpfen Großbrand bei Holz Schiller - Arbeiter können sich im letzten Moment retten

von Michael Lukaschik
Regen. Man sah sie aus Lindberg und von der Rusel, vom Schönecker Riegel und aus Kirchdorf, die riesige schwarze Rauchsäule über dem Regener Gewerbegebiet Metten. Bei einem Großbrand ist am Samstag kurz nach 7 Uhr morgens die rund 150 Meter lange Leimholz-Produktionshalle des Unternehmens Holz Schiller vernichtet worden. Die Polizei geht von einer Schadenshöhe im zweistelligen Millionenbereich aus. Der Brand ist vermutlich im Bereich einer Hobelmaschine ausgebrochen, wie es in der Polizeimeldung heißt. Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt. Heute soll ein Gutachter des Landeskriminalamts die Brandstelle untersuchen.
„Glück im Unglück“ meldete Holz Schiller gestern bereits auf seiner Homepage. Chef Heinrich Schiller, der am Samstagmorgen bei Brandausbruch gerade auf der Rückreise aus Dänemark war und gegen 10 Uhr in Regen eintraf, meinte denn auch: „Gottseidank ist niemandem etwas passiert.“ Es war knapp, sehr knapp. Explosionsartig breitete sich das Feuer in der Halle aus, in letzter Minute konnten die rund 15 Beschäftigten fliehen. Geschockt mussten sie mit ansehen, wie sich auf der ganzen Breite der Halle eine Feuerwand aufbaute. Das Tosen und Knacken des Feuers mischte sich mit kleinen Explosionen.
Glück war auch der Zeitpunkt des Brands. Samstagmorgen sind fast alle Einsatzkräfte verfügbar; und im Regener Feuerwehrhaus war ein Maschinistenlehrgang angesetzt, die ersten Teilnehmer rasten sofort zum Unglücksort.
539 Feuerwehrleute von 32 Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis dirigierte Kreisbrandrat Hermann Keilhofer schließlich. Das Ziel: Das Feuer auf die Leimwerk-Halle begrenzen. Denn direkt angrenzend liegen das Pellets-Werk, das Biomasse-Heizwerk und die Halle mit den versandfertigen Leimholzteilen. Mehrere Millionen Euro lagern in dieser Halle. Sie konnte gehalten werden.
Die Hitze war infernalisch, das Wasser aus den Schläuchen schien zu verdampfen, bevor es das Feuer erreichte. Immer wieder wagten sich Feuerwehrmänner unter dem Hitzeschutz-Mantel in Richtung der Flammen. Nach wenigen Minuten mussten sie wegen der sengenden Hitze abgelöst werden. Bis zu 10 000 Liter Löschwasser in der Minute wurde gefördert. Aus den Hydranten, aus Zisternen, aus dem Regenfluss. Kilometerlange Leitungen waren zur Trinkwasserzisterne nach March gelegt worden. 400 Kubikmeter kamen von dort, 150 Kubikmeter aus der Zisterne Obermitterdorf, dazu 150 Kubikmeter aus der Schwemme in Obermitterdorf.
Von allen Seiten und mit Hilfe von vier Drehleitern wurde die brennende Halle in die Zange genommen, nach rund zwei Stunden war der Brand so weit eingedämmt, dass die angrenzenden Bauten als gerettet gelten konnten. Das Löschen der Glutnester ging weiter, bis nach Mitternacht.
Weil die Feuerwehr Schläuche über die B 85 führte, war die Straße mehrere Stunden gesperrt. Vor Ort waren auch Landrat Heinz Wölfl, 1. Bürgermeisterin Ilse Oswald und Polizeidirektor Anton Scherl aus Straubing. Gestern liefen bereits erste Aufräumarbeiten, und was mit der Produktion passiert, teilte die Firma Holz Schiller auch schon mit: Bis zum Wiederaufbau in Regen wird das Leimholz in den tschechischen Werken in Klattau und in Eger produziert.
Bereits 1989 war das Sägewerk Schiller, das damals noch in der Deggendorfer Straße arbeitete, ein Raub der Flammen geworden. Damals richtete ein Großbrand in der Nacht zum 1. November einen Schaden von rund 3,5 Millionen Mark an. Ein 19-Jähriger hatte den Brand damals gelegt.

Aufräumen und nach vorne planen


Holz Schiller nach dem Brand - Brandstelle ist noch nicht freigegeben

Regen (luk). „Es war sensationell und eigentlich unglaublich, wie die Feuerwehren gearbeitet haben“, sagt Heinrich Schiller, der Chef von Holz Schiller. Die sensationelle Leistung besteht für ihn darin, dass es den Feuerwehren gelang, den Brand einzudämmen. Weder auf die angrenzende Zelthalle noch auf das Pelletswerk und das Biomasse-Heizwerk griffen die Flammen über. Ein Lob hat Schiller auch für seine Mitarbeiter. In der Feuersbrunst haben sie mit den Gabelstaplern die Holzstapel vom Lagerplatz gefahren, damit die Flammen keine weitere Nahrung finden konnten.
„Im Pelletswerk läuft die Produktion seit heute Morgen um 6 Uhr ganz normal, auch das Biomasse-Heizwerk ist in Betrieb“, sagte Werkleiter Josef Reith gestern. Nicht betroffen vom Brand sind auch die übrigen Produktionshallen in dem weitläufigen Areal.
Am Tag zwei nach dem Brand ist Reith dabei, die Arbeit der kommenden Wochen zu organisieren. Der Ausfall des Regener Leimholzwerks soll am Schiller-Standort in Klattau kompensiert werden. Und dazu werden Schiller-Arbeiter nach Tschechien pendeln. „Ab nächster Woche soll ein Bus-Shuttle-System laufen“, sagt Reith, 60 Leute werden nach Tschechien fahren, wo im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden soll. Gestern war man schon dabei, Material umzustapeln und für den Transport nach Tschechien vorzubereiten.
„Die Reste des Brandes wegschieben, dann ein neues Werk planen“, das sieht Reith als die nächsten Aufgaben am Standort Regen. Bis aufgeräumt werden kann, dauert es noch ein bisschen. Gestern wurde noch ein Gutachter des Landeskriminalamts erwartet, in den kommenden Tagen soll der Brandort freigegeben werden. Keine Zweifel gibt es darüber, wo der Brand ausgebrochen ist: An einer Hobelmaschine. Die Brandfahnder versuchen jetzt noch, das warum zu klären. Die Schadenssumme ist gestern auf rund zwölf bis 15 Millionen Euro beziffert worden.
„Kopf nach oben und in die Zukunft schauen“, gibt Heinrich Schiller als Motto aus.


Fotos: KFV Regen, FF Arnetsried, FF Zwiesel,FF Ruhmannsfelden