|
Bericht 27 |
Plattling.
Ein Großbrand hat am Montagabend den denkmalgeschützten ehemaligen
Lokschuppen an der Werkstraße in Plattling in Schutt und Asche gelegt
und die Anwohner im umliegenden Wohngebiet in Angst und Schrecken versetzt.
Der Brand war gegen 20 Uhr ausgebrochen. Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis
Deggendorf sind im Einsatz. In der Halle waren unter anderem Papierrollen, Bitumenplatten
und Holzbriketts gelagert. Die Feuerwehren versuchten auch, die umliegenden
Wohnhäuser zu schützen. Auch Landrat Christian Bernreiter, Bürgermeister
Erich Schmid und Pächter Michael Hacker, waren am Brandort. Es entstand
Schaden in Millionenhöhe. Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in
der morgigen Ausgabe der Plattlinger Zeitung.
Nur ganz knapp an der Katastrophe vorbei
GVon Astrid C. Hahne
Plattling. Die pure Angst stand den Bewohnern der Werkstraße auch gestern
noch ins Gesicht geschrieben. Der Großbrand, der in der Nacht zum Dienstag
die Lokhalle in Schutt und Asche legte, hat auch ihre Wohnhäuser bedroht.
Die wenigsten haben in dieser Katastrophennacht ein Auge zugetan. Wie auch:
Die Sorge um das Haus, der beängstigende, weit über das Stadtgebiet
hinaus zu sehende orangerote Feuerschein, der beißende Rauch, die knisternden
Flammen, die Hitze. Geradezu beruhigend wirkten da das Geknatter des Polizeihubschraubers,
das Motorengeräusch der Löschfahrzeuge und immer wieder das Martinshorn
der Tanklöschfahrzeuge, die mehr Wasser anlieferten.
Übergreifen der Flammen verhindert
Von Glück im Unglück sprachen Bürgermeister Erich
Schmid und Landrat Christian Bernreiter: Wären das angekündigte Gewitter
- und damit die Sturmböen - gekommen, hätte es viel schlimmer ausgehen,
das Feuer auf das angrenzende Wohngebiet überspringen können. Aber
auch so hatten die rund 400 Rettungskräfte genügend zu tun, ein Übergreifen
der Flammen, die drohende Katastrophe zu verhindern. Dass das historische Gebäude
der Bahn, das seit 1986 von Michael Hacker als Lager genutzt wird nicht zu retten
war, war schon etwa eine Stunde nach Ausbruch des Feuers klar. Großes
Lob sprachen alle Führungskräfte, der Landrat, Pächter Michael
Hacker, sowie ganz offiziell auch Regierungspräsident Heinz Grunwald den
Einsatzkräften - den verschiedenen Feuerwehren, THW, BRK und Polizei -
für Einsatz und landkreisübergreifende Zusammenarbeit aus.
Um kurz nach 20 Uhr ließ Brandgeruch noch an einen ungeschickten Griller
denken, doch als dichter schwarzer Rauch und Flammen sichtbar wurden, gingen
gegen 20.10 Uhr bei Feuerwehr und Polizei die ersten Anrufe ein. Auch Robert
Nelz, der nächste Nachbar am Lokschuppen, informierte die Feuerwehr. Das
Haus seiner Familie war dann schließlich auch am stärksten betroffen:
Geplatzte Fensterscheiben, angesengter Balkon, verzogene, angeschmolzene Rolläden.
Seine Mutter wollte auch gestern noch nicht über das Erlebte sprechen,
sie war so betroffen, dass ihr die Tränen über die Wangen kullerten,
zu tief saß die Angst.
Als die Feuerwehr eintraf, loderten die Flammen bereits hoch, die bitumengetränkte
Dachpappe gab ihnen Nahrung und sorgte für den beißenden und im ganzen
Landkreis sichtbaren schwarzen Rauch. Einige Hausbesitzer hätten gerne
gesehen, dass die Feuerwehren sich früher um die Absicherung ihrer Wohnhäuser
kümmerten, statt um das alte Gemäuer. Doch die Rettungskräfte
unter der Leitung von Kreisbrandmeister Erwin Wurzer und Kreisbrandrat Leopold
Schmid hatten sich zuerst auf die Eindämmung der Feuers zu konzentrieren
und darauf, es von den Häusern fernzuhalten. Hätte es sich weiter
ausgebreitet - die ganze Wohnsiedlung wäre in Gefahr gewesen, beschrieb
Kreisbrandmeister Franz Eichinger gestern früh. Angesichts der enormen
Hitzeentwicklung sei es ohnehin fast ein Wunder, dass die Gebäude
nicht mehr abbekommen haben. Sogar Schläuche sind verbrannt, Kunsstoffteile
der Fahrzeuge abgeschmolzen. Sobald es nötig war, wurden die Häuser
- vor allem die Dächer - mit Wasser gekühlt. Der Polizeihubschrauber
flog regelmäßig die Umgebung ab, mit der Wärmebildkamera wurden
die Temperaturen der Dachflächen gemessen, die teilweise bei 100 Grad lagen.
Kurzzeitig war auch über eine Evakuierung nachgedacht worden. Das Gebiet
wurde großräumig abgesperrt, um vor allem Schaulustige fernzuhalten.
Wegen des Rauchs wurde über Radio und per Lautsprecher eine Gefahrenmitteilung
ausgegeben, Türen und Fenster geschlossen und sich von der Brandstelle
fern zu halten - was jedoch kaum eingehalten wurde. Molkereifahrzeuge lieferten
Löschwasser. Probleme hatte die Feuerwehr anfangs, ausreichend Löschwasser
an den Brandort zu schaffen: Die Wasserversorgung im Wohngebiet ist für
einen massiv ausgedehnten Großbrand, wie er sich am Montag
entwickelte, nicht ausgelegt, erklärte Kreisbrandrat Leopold Schmid. So
wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet, Leitungen
zu anderen Netzen gelegt, um nicht immer wieder die selbe Ringleitung anzuzapfen.
Drei Milchtankfahrzeuge mit je 20 000 Liter Fassungsvermögen unterstützten
die Feuerwehren, auch über den Steg wurde eine Schlauchleitung verlegt,
die Zisterne der BayWa genutzt und der Brunnen am Bahnhof. Der Vorfall zeige,
wie schnell die öffentliche Wasserversorgung an ihre Grenzen gelangt,
sagte KBM Eichinger, aber im Positiven auch die perfekte Verzahnung
aller Hilfskräfte. Die Feuerwehren aus den Nachbarlandkreisen Dingolfing-Landau,
Straubing-Bogen und Regen hatten sofort ihre Hilfe angeboten, was Erleichterung
gebracht habe. Schlauchwagen wurden zur Verfügung gestellt und aus Zwiesel
sei ein Großtanklöschfahrzeug gekommen. Acht Feuerwehrleute wurden
leicht verletzt.
Den Einsatz der Rettungskräfte, die bis in den Morgen und auch gestern
noch unermüdlich arbeiteten, würdigten auch die Anlieger: Sie versorgten
sie mit Getränken, Wurstsemmeln und Brotzeiten, diese brachten auch Michael
Hacker und Festwirt Hubert Reisinger. Mehr dazu lesen Sie im Bayernteil Großbrand
zerstörte den historischen Lokschuppen - Anwohner in Angst und Schrecken
- Viel Lob für das Zusammenspiel der Rettungskräfte
Bericht und Fotos PNP.
PD Straubing http://www.polizei.bayern.de/news/presse/aktuell/index.html/70220
Donau Anzeiger http://www.idowa.de/donau-anzeiger/container/container/con/1573953.html
![]() |
![]() |
![]() |
|
Der halbrunde Lokschuppen des einstigen Bahnbetriebswerks war ein Denkmal der Eisenbahnergeschichte Plattlings. 26 Loks fanden dort bis zum Jahre 1985 Platz, seitdem wurde der historische Bau, der im Kern aus dem Jahre 1906 stammt, als Lagerhalle genutzt. Luftbild: Bilderservice Mattioni |